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Spiralität und Kantenrollen: Ursachen und Kontrolle durch Ausrüstung

Spiralität ist das Verziehen von Maschenstäbchen und Maschenreihen nach der Wäsche; die Grundursache ist der Resttordrall des Garns bei einflächiger Maschenware. Das Kantenrollen entsteht hingegen aus dem unausgeglichenen Drall der einseitigen Struktur. Beides ist ein Thema des Fehlerengineerings, das über Garnauswahl, Strickparameter und die richtige Ausrüstung gesteuert wird; die Lösung liegt weitgehend in der Verantwortung des Färbe- und Veredelungshauses.

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Spiralität (Verdrehung) ist das Verziehen der Maschenstäbchen/-reihen aus der senkrechten Achse nach der Wäsche, und ihre Grundursache ist der Resttordrall des Garns bei einflächiger Maschenware; das Kantenrollen ist hingegen der Drall der unausgeglichenen einseitigen (Single-Jersey-)Struktur. Beide entstehen zwar in der Strickphase, werden aber weitgehend in der Ausrüstungsphase kontrolliert: Durch Kompaktieren, Thermofixieren (Heat-Set) und kontrolliertes Entspannen (Relaxation) wird die im Garn angesammelte Spannung freigesetzt und die Struktur ausbalanciert. Bei einem Rohstricker wie KARCEM, der die Rohware im eigenen Werk strickt und Färben und Veredeln über ein geprüftes Lohnnetzwerk mit einem Ansprechpartner koordiniert, werden diese Parameter an der Quelle eingestellt. Eine typische Abnehmerspezifikation verlangt eine Spiralität von ≤%5 nach der Wäsche.

Was genau ist Spiralität und warum tritt sie auf?

Spiralität bedeutet, dass die Linien von Wale (Maschenstäbchen) und Course (Maschenreihen) in der Maschenware, anstatt senkrecht zueinander zu bleiben, eine schräge Lage einnehmen. Sie bleibt in der Rohware meist verborgen und tritt erst zutage, wenn sich die Spannung im Garn durch die erste Wäsche/Relaxation entlädt. Der eigentliche Mechanismus ist folgender: In einer einfädigen (Single-Jersey-)Struktur werden die Maschen einseitig gebildet, und wenn der beim Drehen im Garn angesammelte Resttordrall freigesetzt wird, dreht er die Maschen. Daher ist Spiralität kein „Oberflächenfehler", sondern im Wesentlichen ein Problem des Garn- und Strukturgleichgewichts. Die Seite Maßstabilität und Spiralität, auf der wir das Thema in einem breiteren Rahmen behandeln, ermöglicht Ihnen eine Bewertung zusammen mit dem Schrumpf-/Relaxationsverhalten.

Welche Einflussfaktoren erhöhen die Spiralität, welche verringern sie?

Die Stärke der Spiralität ist die Resultierende aus Garneigenschaften und Strickparametern. Während eine große Maschenlänge und eine lockere Struktur (mit niedrigem Dichtefaktor) die Verdrehung erhöhen, verringern feine Garnnummern, ausgeglichenes/gezwirntes (Ply-)Garn und die Zugabe von Elasthan die Verdrehung. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Einflussfaktoren samt ihrer Wirkungsrichtung zusammen.

EinflussfaktorWirkungsrichtungGrund
Große MaschenlängeErhöhtLockere Struktur, Maschen folgen dem Drall freier
Niedriger Dichtefaktor (lockere Struktur)ErhöhtDer strukturelle Widerstand, der das Drehen des Garns begrenzt, nimmt ab
Hoher Drall des EinzelgarnsErhöhtDer im Garn angesammelte Resttordrall steigt
Feine GarnnummerVerringertKleinere Maschen/festere Struktur begrenzen die Verdrehung
Ausgeglichenes / gezwirntes (Ply-)GarnVerringertDer gegenläufige Drall neutralisiert den Resttordrall
Zugabe von Elasthan (Lycra)VerringertDie Rückstellkraft hält die Struktur im Gleichgewicht

In der Praxis werden die Entscheidungen auf der Garnseite (Drall, Garnnummer, Zwirnung) in der Designphase getroffen; die Strickdichte wird an der Maschine festgelegt. Das Verhalten elasthanhaltiger Qualitäten behandeln wir auf der Seite Lycra-/Elasthan-Stricken und die Beziehung zwischen Flächengewicht und Dichte auf der Seite Flächengewicht-/GSM-Leitfaden.

Warum tritt Kantenrollen auf und welche Strukturen sind betroffen?

Kantenrollen ist das rollenartige Umschlagen der geschnittenen Stoffkante auf sich selbst und resultiert aus dem Drall, den die unausgeglichene einseitige Struktur erzeugt. Einseitiger Single-Jersey neigt zum Rollen an den Kanten: Die obere und untere Kante rollen nach hinten, die Seitenkanten nach vorne. Im Gegensatz dazu liegen doppelseitige und symmetrische Strukturen flach – Interlock- und Ripp-Strukturen sind ausgeglichen, weshalb ihre Kanten waagerecht liegen. Daher ist Kantenrollen ebenso ein Frage der Strukturauswahl wie ein Qualitätsproblem. Die Unterschiede zwischen den Strukturen können Sie auf den Seiten Single-Jersey vs. Interlock und Kaschkorsett-/Ripp-Unterschiede vergleichend sehen; für die allgemeine Familie der Maschenwaren ist der Leitfaden für Maschenware der Ausgangspunkt.

Wie kontrolliert die Ausrüstung diese Fehler?

Auch wenn Spiralität und Kantenrollen im Garn/beim Stricken entstehen, ist die Veredelungslinie der Ort, an dem sie messbar kontrolliert werden. Die Ausrüstungskapazität von KARCEM nutzt folgende Hebel:

  • Kompaktieren: Entspannt den Stoff kontrolliert und nimmt die mechanische Spannung; verbessert die Maßstabilität und senkt zugleich die Verdrehungsneigung.
  • Thermofixieren (Heat-Set): Fixiert insbesondere bei elasthanhaltigen und synthetisch haltigen Qualitäten die Struktur unter Wärme und beruhigt den Resttordrall dauerhaft.
  • Kontrolliertes Entspannen / Relaxation: Setzt die Spannung des Stoffes frei, bis er sein natürliches Gleichgewicht erreicht; so tritt der Fehler nicht im Feld, sondern in der Anlage zutage und wird korrigiert.
  • Ausgeglichene Breiten- + Flächengewichtsfixierung: Beim Einstellen auf Zielbreite und -gewicht wird eine symmetrische Lage gewährleistet und so das Verziehen minimiert.

Die sequenzielle und korrekte Kombination dieser Schritte schafft ein Gleichgewicht, das durch Garnauswahl allein nicht zu erreichen ist. Die Details der Veredelungsschritte, allen voran Kompaktieren und Sanforisieren, finden Sie auf der Seite Veredelung/Ausrüstung: Sanforisieren und Kompaktieren, und die Planung der Ausrüstung gemeinsam mit der Färbung im Färbe-/Druckleitfaden. Dass ein Ansprechpartner Stricken (eigenes Werk), Färben und Veredeln über ein geprüftes Lohnnetzwerk koordiniert, ermöglicht, dass die Parameter nicht runde für runde, sondern in einem Zug abgestimmt werden – die technische Entsprechung dazu finden Sie auf der Seite Vorteil des koordinierten Lohn-Netzwerks.

Wie wird Spiralität gemessen und welcher Grenzwert wird akzeptiert?

Spiralität wird als Winkel-/Prozentverschiebung nach der Wäsche gemessen. Verbreitete Standards sind ISO 16322 (Bestimmung der Verziehung nach der Wäsche) und AATCC 179 (Verdrehung nach automatischer Trocknung). Der Test wird anhand der Abweichung der auf dem Stoff markierten Referenzlinien nach festgelegten Waschzyklen berechnet. Eine typische B2B-Abnehmerspezifikation akzeptiert eine Spiralität von ≤%5 nach der Wäsche; strengere Programme können einen niedrigeren Schwellenwert verlangen. Für die Gesamtheit der Prüfmethoden siehe die Seite Textil-Prüfstandards; die Kontrollen auf der Echtheits- und Farbseite finden Sie auf der Seite Farbechtheit und Delta E (das Farbkontrollziel von KARCEM ist Delta E < 1).

ThemaStandard / ZielHinweis
Spiralität (Verziehung nach der Wäsche)ISO 16322Winkel-/Prozentabweichung der Referenzlinien
Spiralität (Verdrehung nach der Trocknung)AATCC 179Auf automatischer Trocknung basierende Methode
Typischer Akzeptanzgrenzwert≤%5Je nach Abnehmer kann er strenger sein

Wie senken Sie das Spiralitätsrisiko vor der Beschaffung?

Der wirksamste Ansatz ist, den Fehler in der Design- und Musterphase zu vermeiden, statt ihn beim Versand abzufangen: ausgeglichenes/gezwirntes Garn bevorzugen, den Dichtefaktor passend zum Zielflächengewicht wählen, bei elasthanhaltigen Qualitäten das Thermofixieren einplanen und die Verziehung nach der Wäsche von Anfang an über einen freigegebenen Lab-Dip/ein freigegebenes Muster messen. Diese Disziplin senkt das Risiko überraschender Rücksendungen, wenn die Partie wächst. Für die Kontrollpunkte auf der Beschaffungsseite können Sie die Seiten Qualitäts- und Prüfleitfaden sowie Echtheitsprüfung (ISO/AATCC) heranziehen. Für die Definitionen der Begriffe hilft die Seite Glossar.

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